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Porscheplatz 1

In Zuffenhausen steht ein Museum, das auf drei Beinen schwebt. Wer genau hinschaut, findet darin auch ein Stück Schweizer Geschichte.

6 Min.

Man sieht sie, bevor man das Museum sieht. Drei weisse Elfer, die auf schlanken Stahlstelen in den Himmel über Zuffenhausen schiessen, als hätten sie gerade abgehoben und noch nicht entschieden, wo sie landen wollen. Ein F-Modell von 1970, ein G-Modell von 1981 und ein Elfer der damals aktuellen Generation. Der britische Künstler Gerry Judah hat die Skulptur «Inspiration 911» 2015 auf den Porscheplatz gestellt, an den Ort, wo 1963 der erste 911 vom Band lief.

Dahinter, weiss und kantig, das Porsche-Museum. Ein Gebäude, das eigentlich nicht stehen dürfte, und das dennoch seit 2009 genau das tut.

Ein Haus, das schwebt

Das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl hat den Ausstellungskörper auf nur drei Stützen gestellt. Das Gebäude wiegt rund 35'000 Tonnen und scheint trotzdem über dem Boden zu hängen. Am 31. Januar 2009 empfing es seine ersten Besucher. Vorher hatte Porsche in Zuffenhausen ein kleines Museum mit gerade einmal rund 20 Fahrzeugen. Heute sind es auf 5600 Quadratmetern über 80.

Drinnen ist alles weiss. Böden, Wände, Rampen. Die Autos stehen darin wie Satzzeichen, Rot, Gelb und Silber vor einem leeren Blatt. Man läuft einen Rundgang ab, der chronologisch aufgebaut ist, und merkt schnell, dass hier nicht einfach Autos ausgestellt werden, sondern eine Denkweise: leicht, effizient, lieber klug als stark.

Weisser Raum, laute Geschichte: Rennwagen im Hauptrundgang.

Nummer 1 und die Schweiz

Am Anfang steht nicht Stuttgart, sondern ein Sägewerk in Gmünd in Kärnten, wohin das Konstruktionsbüro Porsche 1944 ausgelagert worden war. Dort baute Ferry Porsche den 356 «Nr. 1» Roadster, ein leichter Zweisitzer mit Mittelmotor. Am 8. Juni 1948 erhielt er seine Zulassung. Das junge Unternehmen brauchte Geld, und so wurde der erste Porsche überhaupt noch 1948 für 7000 Franken an den Schweizer Unternehmer Rupprecht von Senger verkauft.

Die Schweiz war für Porsche in diesen Jahren mehr als ein Absatzmarkt. Das Aluminium für die Karosserie gab es im Nachkriegsösterreich kaum, in der Schweiz schon. Vorgestellt wurde der Roadster im Juli 1948 in Bern, rund um den Grossen Preis der Schweiz in Bremgarten. Der zweite Porsche ging zum Karosseriebauer Beutler nach Thun, um ein Cabriolet zu entwickeln. Und der erste Messeauftritt der Marke fand 1949 am Genfer Salon statt, mit einem Gmünd-Coupé für 15'000 und einem Beutler-Cabriolet für 17'000 Franken. Porsche soll damals sogar erwogen haben, die Serie ganz in der Schweiz zu bauen.

Die Nummer 1 wechselte danach mehrfach den Besitzer, erlitt einen Unfall und wurde umgebaut. 1958 holte Porsche sie zurück und gab dem letzten Besitzer im Tausch einen neuen 356 Speedster. Heute ist sie das wichtigste Auto im Haus. Und sie trägt ihre Umbauten bis heute, weil man sie aus Respekt vor ihrer Geschichte nicht zurückverwandelt hat.

356 Coupé: Aus dem Käfer-Baukasten wurde ein Sportwagen.
Die frühen Jahre in Silber und Orange.

Vom Typ 695 zum Elfer

Ende der Fünfzigerjahre war klar, dass der 356 einen Nachfolger braucht. Einer der Schritte dorthin steht im Museum: der Typ 695, auch T7 genannt, ein Entwurf von 1959. Man erkennt darin schon die Linie, die bis heute geblieben ist: die flache Front, das abfallende Dach, die runden Scheinwerfer. 1963 kam der 901 auf den Markt, der wenig später 911 heissen musste. Auch hier taucht die Schweiz auf: Am Genfer Salon 1964 zeigte Porsche einen hellblauen 901-Prototyp als Schweizer Premiere.

Seither hat sich der Elfer immer wieder verändert, und doch nie grundlegend. Das ist vielleicht die eigentliche Leistung, die man in diesem Museum besichtigt: sechzig Jahre lang dasselbe Auto zu bauen, ohne dass es alt wird.

Typ 695, genannt T7: Hier beginnt die Linie des Elfers.
Gleiche Idee, andere Epoche.

Rennsport als Labor

Der Rennsport bekommt im Museum viel Raum, und das hat einen Grund. Bei Porsche war die Rennstrecke immer auch Versuchsgelände. Die Gruppe-C-Rennwagen der Achtzigerjahre stehen hier, in den Farben, die man aus Le Mans kennt. Daneben ein Formel-1-Wagen von McLaren, dessen TAG-Turbomotor von Porsche entwickelt wurde. Mit diesem Motor gewannen Niki Lauda 1984 und Alain Prost 1985 und 1986 die Weltmeisterschaft.

Formel 1 mit Porsche-Herz.
Gruppe C: Langstrecke als Entwicklungsabteilung.

Ein Museum, das fährt

Was dieses Haus von vielen anderen unterscheidet: Ein grosser Teil der Exponate ist fahrbereit. Porsche spricht vom «rollenden Museum». Autos verlassen die Ausstellung für Rennen, Rallyes und Ausfahrten und werden durch andere ersetzt. Wer zweimal kommt, sieht nicht zweimal dasselbe. Durch eine Glasscheibe blickt man in die Museumswerkstatt, wo die Fahrzeuge gewartet werden.

Manchmal steht auch etwas da, das nie für die Öffentlichkeit gedacht war: Versuchsträger mit offen liegender Technik, Rohre und Schalldämpfer, wo sonst Lack und Chrom wären. Solche Autos erzählen nicht vom Glanz, sondern von der Arbeit dahinter.

Entwicklung zum Anschauen: ein Versuchsträger aus den Neunzigerjahren.

Warum sich die Reise lohnt

Von Zürich aus ist man in rund drei Autostunden in Zuffenhausen. Die Fahrt lohnt sich, auch für alle, die keinen Porsche fahren. Denn das Museum erzählt nicht nur die Geschichte einer Marke. Es erzählt, wie aus einem Sägewerk in Kärnten, einem Käfer-Baukasten und einem Schweizer Käufer mit 7000 Franken in der Tasche einer der bekanntesten Sportwagen der Welt wurde.

Und wenn man am Ende wieder auf den Porscheplatz tritt, stehen die drei Elfer immer noch da oben. Als hätten sie auf einen gewartet.

Abflug in Zuffenhausen.

Porsche-Museum in Kürze

  • Adresse: Porscheplatz 1, 70435 Stuttgart-Zuffenhausen
  • Anreise: S-Bahn S6 bis Neuwirtshaus (Porscheplatz); ab Zürich rund 3 Stunden mit dem Auto
  • Ausstellung: über 80 Fahrzeuge auf 5600 m², wechselnde Exponate
  • Öffnungszeiten & Preise: porsche.com/museum

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