ClassicGuide

Alfa Romeo Giulia & GT Tipo 105 (Limousine & Bertone GT)

1962–1977

Kaufberatung für Alfa Romeo Giulia und Bertone GT der Baureihe Tipo 105 (1962–1977): Giulia Super, GT Junior und 1750/2000 GTV im Vergleich, die berüchtigten Roststellen an Wagenboden, Schwellern und A-Säule, der Alu-Doppelnocker mit Weber- und Dellorto-Vergasern sowie Wert-Einschätzungen in Franken nach Zustandsnote – gute GTV kosten rund 55'000 bis 70'000 Franken.

Roter Alfa Romeo Bertone GT (Tipo 105) in einer alten Werkhalle

Wert-Einschätzung in CHF

Nach Zustandsnote 1 (Topzustand) bis 5 (Restaurationsobjekt), Stand August 2026 Zustandsnoten erklärt

VarianteZustand 1Zustand 2Zustand 3Zustand 4Zustand 5
Giulia Limousine 1300–1600 Super (1962–1977)45'000–55'00028'000–36'00018'000–24'00010'000–14'0004'000–7'000
GT 1300 / 1600 Junior (1966–1976)62'000–75'00040'000–50'00026'000–33'00014'000–19'0006'000–9'000
1750 GTV (1967–1972)78'000–92'00052'000–64'00032'000–40'00018'000–24'0008'000–12'000
2000 GTV (1971–1976)85'000–100'00055'000–70'00034'000–43'00019'000–25'0008'000–12'000

Wertverlauf seit 2010

Jahresdurchschnitt je Variante (Zustand 2), mit Veränderung im gewählten Zeitraum

+156 %

20102026: CHF 12'500 → CHF 32'000 (Jahresdurchschnitt)

12'50023'50034'000201020182026
Methodik und Datengrundlage

Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich gelisteter Inserate und Auktionsergebnisse (u.a. Schweizer Marktplätze, Classic-Data-Niveau). Listing-Preise, regionale Schwankung ±10–20 %. Beim Tipo 105 entscheiden Rostfreiheit von Wagenboden, Schwellern und A-Säulen, die Originalität von Motor und Vergaseranlage sowie eine belegte Historie über deutliche Auf- oder Abschläge. Frühe Scalino-Coupés (Sprint GT/GT Veloce) und Sonderkarosserien liegen teils über diesen Werten. Keine Anlage- oder Kaufempfehlung.

Wertverlauf: redaktionelle Schätzung je Variante (Zustand 2, Mitte der Spanne aus der Wert-Tabelle, Listing-Niveau). Trendverlauf rekonstruiert aus öffentlich berichteten Classic-Data-Marktwert-Punkten (2011, 2016, 2020, Hoch 2023/24, 2026) und eigenen Marktbeobachtungen; Zwischenjahre interpoliert. Die Tipo-105-Coupés legten im Boom 2013–2016 kräftig zu, bewegten sich danach seitwärts und stiegen ab 2020 erneut bis zum Hoch 2023/24; seither geben die Preise leicht nach. Die grossen GTV (1750, 2000) führen das Feld an, die Limousinen bleiben der günstigste Einstieg. Keine Anlageberatung.

Das Wichtigste in Kürze

Die Tipo-105-Baureihe ist das Herzstück der klassischen Alfa-Romeo-Welt: Giulia-Limousine (ab 1962) und Bertone-Coupé (ab 1963) teilen sich Technik und Charakter – Alu-Doppelnockenwellen-Motor, Fünfganggetriebe und eine Fahrfreude, die in dieser Preisklasse ihresgleichen sucht. Die Kaufentscheidung fällt aber nicht am Motor, sondern am Blech: Kaum eine Baureihe rostet so gründlich und so versteckt. Wagenboden, Schweller, A-Säulen und Radläufe faulen von innen nach aussen, und die Blechqualität der 1970er-Jahre ist nochmals schwächer als die der frühen Autos. Ein glänzender GTV kann strukturell durch sein.

Die Kurzempfehlung: Der 2000 GTV ist die souveränste Wahl – kräftigster Motor, beste Ausstattung, gesuchteste Variante. Wer weniger anlegen will, findet im GT 1300 oder 1600 Junior denselben Fahrspass mit kleinerem Motor zu deutlich tieferen Preisen. Die Giulia-Limousine ist der unterschätzte Geheimtipp: gleiche Technik, mehr Platz, günstigster Einstieg. Wichtiger als die Variante ist die Substanz – lieber ein grundehrlicher Junior als ein zugespachtelter GTV mit faulem Boden.

Varianten und Bauzeit

Daneben existieren GTC (Cabriolet), GTA/GTA Junior (Leichtbau-Homologationsmodelle mit Aluminium-Aussenhaut) und Zagato-Karosserien – alles eigene Sammlermärkte weit über den hier gezeigten Werten. 1977 endete die Tipo-105-Ära; die Coupés übergaben an den Alfetta GT.

Karosserie: Rost ist das halbe Auto

Die selbsttragende Karosserie des Tipo 105 ist verwindungssteif und leicht – aber ihre Hohlräume waren ab Werk kaum konserviert, und in den 1970ern kam schwankende Blechqualität dazu. Kosmetik ist beherrschbar, Strukturrost nicht:

Technik: Alu-Doppelnocker, Vergaser, zweiter Gang

Ausstattung und Originalität

Schweiz-spezifisch

Grundlagen zu Veteranenstatus, MFK und Import stehen im Wissensbereich. Für den Tipo 105 gilt:

Worauf bei der Besichtigung achten

Die Checkliste für den Tipo 105 kombiniert den einheitlichen Prüfkatalog mit den modellspezifischen Punkten dieser Baureihe. Spezifisch für Giulia und Bertone GT gilt:

  1. Ohne Hebebühne oder Grube keine Kaufentscheidung – Wagenboden, Schweller und A-Säulen sind das halbe Auto.
  2. Magnet oder Schichtdickenmesser mitnehmen: Kaum eine Baureihe wurde häufiger dick zugespachtelt und «italienisch» aufgehübscht.
  3. Motor kalt starten: Kettenrasseln, blauer Rauch und tiefer Öldruck im warmen Leerlauf sind teure Warnsignale.
  4. Warmgefahren den zweiten Gang zügig testen – kratzende Synchronringe gehören in die Preisverhandlung.
  5. Motornummer, Fahrgestellnummer und Vergaseranlage gegen Papiere und Zertifikat abgleichen; Motorumbauten bei Junioren klären.
  6. Fotodokumentation der letzten Restaurierung verlangen und Rechnungen gegen den Fahrzeugzustand abgleichen.

Ein Tipo 105, der diese Punkte besteht, gehört zum Emotionalsten, was die Klassiker-Welt unter 100'000 Franken zu bieten hat – ein Alltagssportler, dessen Technik von Clubs und Spezialisten bis heute lückenlos versorgt wird.

Bereit für die Besichtigung?

Checkliste mitnehmen und die Inserate dieser Baureihe im Blick behalten.

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