ClassicGuide

Inserate lesen

Kaufen und Bewerten

Wie du Zustandsangaben, Fotos und Preise in Klassiker-Inseraten einordnest – und wann «unfallfrei» und «Zustand 2» nichts bedeuten.

Zuerst die Baureihe, dann das Inserat

Ohne die Kaufberatung der Baureihe ist jedes Inserat Werbung. Schwachstellen, ehrliche Preisspannen nach Zustandsnote und die typischen Varianten stehen dort. Das Inserat prüfst du gegen diesen Massstab, nicht gegen das Gefühl, das die Abendsonne auf dem Foto auslöst.

Die Note des Verkäufers

«Zustand 2» im Text ist ein Wunsch. Verlässlich ist ein aktuelles Gutachten oder deine Besichtigung mit der Checkliste. Zwischen Note 2 und 3 liegt oft ein Drittel bis die Hälfte des Preises – genau dort sitzen die überteuerten Anzeigen.

Formulierungen, die nichts belegen:

«MFK neu» heisst ausserdem nur: kürzlich vorgeführt. Es heisst nicht «gut». Siehe MFK.

Fotos lesen

Ein einziges Drei-Viertel-Foto bei tiefstehender Sonne verdeckt Schweller, Kanten und Spaltmasse. Seriöse Inserate zeigen:

Stockfotos, fremde Autos oder Bilder, die älter sind als die «gerade gemachte» Lackierung, sind ein Absagegrund. Zu wenig Bilder sind kein Stil, sondern eine Entscheidung.

Preis gegen Spanne

Die Wert-Einschätzung in der Kaufberatung ist eine Spanne pro Note, keine Punktzahl. Liegt der Inseratspreis über der Note-2-Spanne, muss das Auto Note 2 belegen – oder der Preis stimmt nicht. Liegt er in der Note-3-Spanne und verspricht Note 2, ist das die häufigste Falle.

Import, Rechtslenker, Meilentacho, fehlende Historie und nicht eingetragene Umbauten gehören als Abschlag in die Rechnung, nicht als Überraschung nach der Anzahlung.

Nach dem Lesen

Passt das Inserat grob, klärst du die Papiere vor der Anfahrt. Fehlen sie, bleibt der Termin optional. Vor Ort gilt die Checkliste; nach der Besichtigung die ehrliche Note – im Zweifel eine halbe Note schlechter.