ClassicGuide

Porsche 911 G-Modell

1973–1989

Kaufberatung für das Porsche 911 G-Modell (1973–1989): alle Varianten vom 911 2.7 über SC und Carrera 3.2 bis zu 930 Turbo und Speedster, die kritischen Roststellen, Motoren- und Getriebe-Risiken sowie Wert-Einschätzungen in Franken nach Zustandsnote.

Roter Porsche 911 Targa (G-Modell) im Abendlicht vor Wüstenbergen

Wert-Einschätzung in CHF

Nach Zustandsnote 1 (Topzustand) bis 5 (Restaurationsobjekt), Stand August 2026 Zustandsnoten erklärt

VarianteZustand 1Zustand 2Zustand 3Zustand 4Zustand 5
911 2.7 (1974–1977)60'000–80'00045'000–60'00030'000–41'00018'000–25'0007'000–10'000
Carrera 2.7 MFI (1974–1976)115'000–200'00085'000–150'00058'000–100'00034'000–60'00013'000–24'000
Carrera 3.0 (1976–1977)83'000–115'00062'000–85'00042'000–58'00025'000–34'00010'000–14'000
911 SC 3.0 Coupé (1978–1983)75'000–100'00052'000–70'00036'000–49'00021'000–29'0009'000–13'000
Carrera 3.2 Coupé, 915-Getriebe (1984–1986)85'000–115'00062'000–85'00042'000–58'00025'000–35'00010'000–15'000
Carrera 3.2 Coupé, G50-Getriebe (1987–1989)95'000–130'00071'000–100'00048'000–66'00029'000–40'00011'000–17'000
Carrera 3.2 Targa / Cabriolet (1984–1989)74'000–105'00055'000–80'00037'000–54'00022'000–32'0009'000–13'000
930 Turbo 3.0 (1975–1977)230'000–320'000170'000–240'000115'000–160'00068'000–96'00027'000–38'000
930 Turbo 3.3 (1978–1989)190'000–280'000140'000–210'00095'000–140'00056'000–84'00022'000–34'000
911 Speedster (1989)240'000–330'000180'000–250'000120'000–170'00072'000–100'00029'000–40'000

Wertverlauf seit 2010

Jahresdurchschnitt je Variante (Zustand 2), mit Veränderung im gewählten Zeitraum

+98.1 %

20102026: CHF 26'500 → CHF 52'500 (Jahresdurchschnitt)

26'50043'00059'000201020182026
Methodik und Datengrundlage

Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich gelisteter Inserate und Auktionsergebnisse (u.a. Schweizer Marktplätze, Classic-Data-Niveau). Listing-Preise, regionale Schwankung ±10–20 %. Bei den Sondermodellen (Carrera 2.7 MFI, 930 Turbo, Speedster) streuen die Preise deutlich stärker – Historie und Originalität entscheiden dort über sechsstellige Differenzen. Keine Anlage- oder Kaufempfehlung.

Wertverlauf: redaktionelle Schätzung je Variante (Zustand 2, Mitte der Spanne aus der Wert-Tabelle, Listing-Niveau). Trendverlauf rekonstruiert aus öffentlich berichteten Classic-Data-Marktwert-Punkten (2011, 2016, 2020, Hoch 2023/24, 2026) und eigenen Marktbeobachtungen; Zwischenjahre interpoliert. Der SC startete von einem tieferen Niveau und holte im Boom 2013–2016 überproportional auf; die Sammler-Varianten (Carrera 2.7 MFI, 930 Turbo, Speedster) stiegen im selben Zeitraum am stärksten. Keine Anlageberatung.

Das Wichtigste in Kürze

Das G-Modell ist die am längsten gebaute Generation des luftgekühlten 911 – sechzehn Jahre, in denen Porsche die Baureihe kontinuierlich weiterentwickelt hat. Für den Kauf heisst das: Ein 2.7er von 1974 und ein Carrera 3.2 von 1989 sind technisch und ökonomisch zwei verschiedene Autos. Die wichtigste Kauffrage ist bei allen Varianten dieselbe – und sie betrifft nicht den Motor, sondern die Karosserie. Wer Blech und Historie sauber prüft, bekommt einen der robustesten Klassiker überhaupt.

Die Kurzempfehlung: Der Carrera 3.2 mit G50-Getriebe (Modelljahr 1987–1989) ist die Variante mit dem besten Verhältnis aus Alltagstauglichkeit, Standfestigkeit und Wertentwicklung. Der 911 SC (1978–1983) ist der ehrlichste Einstieg ins G-Modell. Von frühen 2.7ern ohne dokumentierte Motorrevision raten wir ab.

Varianten und Bauzeit

Karosserieformen: Coupé, Targa und ab 1983 das Cabriolet. Coupés liegen bei gleicher Motorisierung durchgehend über den offenen Varianten – Sammler bevorzugen die steifere, geschlossene Karosserie. Targa und Cabriolet sind dafür der günstigere Einstieg in den Carrera 3.2.

Karosserie: Hier entscheidet sich der Kauf

Ab Modelljahr 1976 lieferte Porsche vollverzinkte Karosserien – das macht das G-Modell besser als viele Zeitgenossen, aber nicht rostfrei. Nach 35 bis 50 Jahren zählt nur der Ist-Zustand:

Eine schlecht dokumentierte «Restaurierung» ist beim G-Modell mehr Risiko als Verkaufsargument. Fotos der Arbeiten, Rechnungen der Fachbetriebe und nachvollziehbare Historie sind mehr wert als frischer Lack.

Motoren: vom Sorgenkind zum Dauerläufer

Getriebe: 915 oder G50

Bis Modelljahr 1986 schaltet das G-Modell mit dem 915-Getriebe: konstruktionsbedingt hakelig, das ist normal und kein Mangel. Nicht normal sind herausspringende Gänge oder Krachen beim Einlegen – das sind Reparatursignale. Ab Modelljahr 1987 kam das G50-Getriebe mit hydraulischer Kupplung: präziser, leichter zu schalten und der Hauptgrund, warum die späten Carrera 3.2 die höchsten Preise erzielen. Bei der Probefahrt alle Gänge bei Betriebstemperatur durchschalten.

Sondermodelle: hier gelten eigene Regeln

Drei Varianten weichen so stark vom übrigen G-Modell ab, dass die allgemeinen Empfehlungen nicht reichen:

930 Turbo (1975–1989)

Der Turbo ist kein schnellerer Carrera, sondern ein anderes Auto – im Fahrverhalten, in den Unterhaltskosten und im Markt.

911 Speedster (1989)

Carrera 2.7 MFI (1974–1976)

Der heimliche Sammlerliebling mit dem 210-PS-Motor des 2.7 RS. Die mechanische Bosch-Einspritzung braucht Spezialistenwissen bei Einstellung und Bewertung, und der Motor teilt die Stehbolzen-Problematik der übrigen 2.7er. Kaufen ohne Vorbesichtigung durch einen ausgewiesenen Früh-Elfer-Spezialisten ist hier grob fahrlässig – Fälschungen und «MFI-Umbauten» auf Basis gewöhnlicher 2.7er sind dokumentiert.

Schweiz-spezifisch

Grundlagen zu Veteranenstatus, MFK und Import stehen im Wissensbereich. Für das G-Modell gilt:

Worauf bei der Besichtigung achten

Die Checkliste für das G-Modell kombiniert den einheitlichen Prüfkatalog mit den modellspezifischen Punkten dieser Baureihe. Spezifisch für das G-Modell gilt:

  1. Taschenlampe und Spiegel mitnehmen – B-Säule und Stehwand sind ohne Hilfsmittel nicht beurteilbar.
  2. Motor kalt starten (vorher fühlen, ob er wirklich kalt ist) und den Leerlauf nach dem Warmfahren beobachten.
  3. Beim 2.7er: Revisionsbelege verlangen, sonst Finger weg oder Revision einpreisen.
  4. Alle Gänge bei Betriebstemperatur schalten – 915-Hakeln ja, Herausspringen nein.
  5. Serviceheft, Rechnungen und (bei Importen) Verzollungspapiere gegen den Fahrzeugzustand abgleichen.
  6. Bei modifizierten Autos vor dem Kauf mit der MFK-Prüfstelle klären, ob Zustand und Eintragungen zusammenpassen.

Ein G-Modell, das diese Punkte besteht, ist einer der langlebigsten und wertstabilsten Klassiker, die man in der Schweiz kaufen kann.

Bereit für die Besichtigung?

Checkliste mitnehmen und die Inserate dieser Baureihe im Blick behalten.

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